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Innovationsberatung

Unabhängige Expertise zu innovationspolitischen Fragen

Technologische Entwicklungen können Lösungen für globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die demographische Entwicklung oder Urbanisierung liefern. Zugleich schaffen sie am eigenen Standort Wachstum, Wertschöpfung und Beschäftigung. Die Innovationskraft eines Landes gilt daher als Voraussetzung für seine langfristige internationale Wettbewerbsfähigkeit. Innovationen in Deutschland weiter zu stärken, ist das Ziel eines Dialogprozesses, den acatech seit 2010 zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft koordiniert.

Der Innovationsdialog: Fachberatung für die Bundesregierung

Über das Format des Innovationsdialogs zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft bietet acatech unabhängige Fachberatung zu innovationspolitischen Themen. Dabei treffen die Bundeskanzlerin, die Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie für Bildung und Forschung und der Chef des Bundeskanzleramts mit 16 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zweimal pro Jahr zu einem fachlichen Austausch zusammen.

Im Fokus steht dabei jeweils ein innovationspolitisches Zukunftsthema. Die Grundlage für die Diskussion bildet ein Dossier, das die Ergebnisse eines vorangeschalteten, breit angelegten Stakeholder-Dialogs mit fachlichen Expertinnen und Experten aus dem acatech Netzwerk sowie weiterer Organisationen bündelt. Der Innovationsdialog unter Leitung von acatech Präsident Henning Kagermann wird durch die acatech Geschäftsstelle vorbereitet.

Wissenstransfer: Innovationspolitische Querschnittsaufgabe im Wandel

Moderne Formen des Wissens-, Technologie- und Erkenntnistransfers standen im Mittelpunkt des Innovationsdialogs, der im Mai 2016 im Bundeskanzleramt stattfand. Der Transfer von Wissen und Technologien ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Dem klassischen Verständnis nach geht es dabei um die Überführung von neuen Ideen und Entwicklungen aus Wissenschaft und Forschung in marktfähige Produkte – etwa durch Patente, Verbundforschung und Ausgründungen.

Mittlerweile verläuft der Transferprozess aber auch rekursiv: Verschiedene Akteure aus Grundlagenforschung, angewandter Forschung sowie aus Unternehmen und Zivilgesellschaft beeinflussen sich wechselseitig; auch sprunghafte Entwicklungen sind möglich. Durch die Verschmelzung von klassischen Industriebranchen mit dem IT-Sektor entstehen beispielsweise neue Partnerschaften und Kooperationsformen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Bürgerinnen und Bürger verstehen sich zunehmend als aktive Beteiligte denn als passive Rezipienten wissenschaftlicher Entwicklungen. Das verändert die Wissenschaftskommunikation und führt zu Ansätzen wie „Bürgerforschung“. Es gilt, die Transferbeziehungen an die sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen.

Biotechnologie: Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts

Die Möglichkeiten, biologische Prozesse zu gestalten, steigen rasant. Als Schlüsseltechnologie kann die Biotechnologie bereits in den nächsten Jahren eine Kraft entfalten, die ähnlich der Digitalisierung viele Branchen und Lebensbereiche transformieren wird. Dies war eines der zentralen Ergebnisse des Innovationsdialogs mit der Bundesregierung im November 2016. So ermöglichen es neue Verfahren zur Analyse und Modifikation des Genoms (insbesondere die sogenannte Genom-Editierung), fossile Rohstoffe zu substituieren und neue Medikamente – etwa zur Krebstherapie – zu entwickeln.

Deutschland verfügt in der Biotechnologie über sehr gute wissenschaftliche Grundlagen. Deren Transfer in die wirtschaftliche und medizinische Anwendung ist jedoch zu stärken. Zu klären sind darüber hinaus zahlreiche politische, rechtliche und ethische Fragen. Nur durch eine sorgfältige Diskussion und die Berücksichtigung der rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Implikationen verschiedener Anwendungen lassen sich die großen Innovationspotenziale der Biotechnologie für Deutschland erfolgreich nutzen. 

Mensch-Maschine-Interaktion: Öffentlich intensiv diskutiert

Mit dem Innovationsdialog liefert acatech der Bundesregierung frühzeitig Expertise und Handlungsempfehlungen zu Themen, die in absehbarer Zeit auf die politische Agenda rücken. Ein Beispiel hierfür sind die technologischen und gesellschaftlichen Aspekte der Mensch-Maschine-Interaktion. Diese waren Gegenstand des Innovationsdialogs im November 2015 und wurden im Jahr 2016 in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Die ARD beleuchtete sie in der Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ aus verschiedenen Perspektiven und auch in anderen Leitmedien war das Verhältnis von Menschen und Robotern ein wichtiges Thema. Auch auf dem Podium der acatech Festveranstaltung im Oktober 2016 wurde darüber diskutiert.

Bundespräsident Joachim Gauck warb in seiner Festrede um Mut für Innovationen und weniger Furcht vor Risiken. Autonome Systeme könnten in vielen Bereichen zu Helfern des Menschen werden. Allerdings müsse dieser stets „Dirigent der Technik sein, nicht ein ihr unterworfener Zuarbeiter“, so Joachim Gauck.