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Bildung und Fachkräfte

Kompetenzen für die digitalisierte Arbeitswelt entwickeln

Wie werden wir in einer zunehmend digitalisierten Welt arbeiten? Welche Kompetenzen brauchen wir in Zukunft? Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft prägte 2016 den arbeits- und bildungspolitischen Diskurs. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) führte auf Basis eines Grünbuchs einen Dialogprozess mit Verbänden und Institutionen zum Thema „Arbeiten 4.0“ durch. Die Ergebnisse fasst das im Februar 2017 erschienene Weißbuch zusammen.

Digitale Bildung im Unterricht und in der Ausbildung von Lehrkräften zu verankern, zählte zu den Kernforderungen, die auf dem 4. Nationalen MINT-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni formuliert wurden. Mit der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft präsentierte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka im Oktober eine Strategie, um den digitalen Wandel von der frühkindlichen Bildung über Schule, beruflichen Bildung und Hochschule bis hin zur Weiterbildung voran zu treiben. Die Kultusministerkonferenz legte ihre Strategie Bildung in der digitalen Welt im Dezember vor. acatech brachte sich an verschiedenen Stellen in die Debatten ein.

Bildung in der digitalen Transformation

Digitale Medien souverän zu nutzen und die Triebkräfte der digitalen Transformation zu verstehen, sind heute Grundvoraussetzungen für digitale Mündigkeit und Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Die entsprechenden Kompetenzen zu vermitteln, ist vor allem auch Aufgabe der Schulen. Ein eigenes Fach „Digitalisierung“ braucht es dafür nicht. Entscheidend sind gute Grundlagen in den MINT-Fächern mit konkreten Anwendungsbezügen zur digitalen Welt sowie ein „digitaler Dreh“ in allen Fächern. Vor allem geht es darum, selbstverständliche Nutzungsformen digitaler Technologien in den Unterricht zu integrieren.

Neben der informationstechnischen Grundbildung werden auch Kompetenzen wie unternehmerisches Denken, Veränderungsbereitschaft, Kollaborationsfähigkeit und Methoden agiler Arbeit immer wichtiger. Eine noch stärkere Öffnung von Schule und Lehrerbildungseinrichtungen gegenüber Wirtschaft und Wissenschaft wäre vor diesem Hintergrund wünschenswert. Diese Einschätzung vertrat acatech auch auf dem 4. Nationalen MINT-Gipfel, der im Juni 2016 in Berlin stattfand.

DIGITALE ASSISTENZSYSTEME IN DER SMARTEN FABRIK: Wie intelligente Assistenzsysteme die Beschäftigten im Zuge der digitalen Transformation künftig bedarfsgerecht und „on the job“ mit Wissen unterstützen können, demonstrieren Prototypen, die Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft im Verbundprojekt „APPsist – Intelligente Wissensdienste für die Smart Production“ entwickelten. Am Rande des Nationalen IT-Gipfels wurden sie unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellt. acatech koordinierte in dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Projekt den Beirat, der den Projektverbund in strategischen Fragen beriet und Empfehlungen zur Implementierung der Projektergebnisse erarbeitete.

Zukunft der Arbeit: Spielräume zur Gestaltung des Wandels schaffen  

Die digitale Transformation wird die Wertschöpfungsstrukturen sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor binnen kürzester Zeit massiv verändern. Damit einhergehen werden neue Formen der Unternehmens- und Arbeitsorganisation. acatech zeichnet ein positives Bild der Arbeit der Zukunft. Es beinhaltet vor allem auch die Offenheit, alle Arten von Arbeit gleichermaßen zu akzeptieren. Insbesondere selbstbewusste Freelancer gewinnen für Unternehmen in der digitalen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Zudem brauchen wir eine zukunftsorientierte Governance, die Freiräume für Experimente schafft und Flexibilität in der Transformation ermöglicht. Dieses Fazit ziehen Personalvorstände großer Unternehmen, mit denen acatech gemeinsam mit der Jacobs Foundation intensiv zur Zukunft der Arbeit diskutierte. Die Ergebnisse wurden in einem acatech IMPULS veröffentlicht, den Mitglieder des acatech HR-Kreises im April 2016 an Helge Braun, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, im Kanzleramt übergaben.


„Die Digitalisierung bietet im Kontext des demo- graphischen Wandels die Chance, unsere künftige Arbeitskräftelücke durch Produktivitätsgewinne zu kompensieren. Sie zu meistern ist deshalb entscheidend für die Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit und unseres Sozialgefüges. Ich danke acatech und der Jacobs Foundation für ihre Denkanstöße.“

Helge Braun, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin (3.v.l.), bei der Übergabe des acatech IMPULS Die digitale Transformation gestalten – Was Personalvorstände zur Zukunft der Arbeit sagen

Immanuel Hermreck (Bertelsmann), Henning Kagermann (acatech), Helge Braun (Staatsminister bei der Bundeskanzlerin), Johann Christian Jacobs (Jacobs Foundation), Thomas Sattelberger (MINT Zukunft schaffen) und Christian P. Illek (Deutsche Telekom) bei der Übergabe des acatech IMPULS (v.l.n.r.).


Zur Gestaltung der neuen Arbeitswelt benötigen Unternehmen Möglichkeiten, neue Formen der Arbeit zu erproben und auch Experimente zu wagen. Gemeinsam müssen die Sozialpartner an der Frage arbeiten, wie zukunftsfähige Regeln für gute Arbeit aussehen können. Ein Forum dafür schafft die Workshop-Reihe Zukunft der Industriearbeit, die acatech seit 2014 in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung veranstaltet. Ein Workshop im Juni 2016 fokussierte auf den mittelständischen Maschinenbau. Die Geschäftsführer zweier Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen präsentierten ihre Praxisbeispiele zur Einführung von Industrie 4.0-Prozessen. Anschließend diskutierten sie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaften die Nutzung digitaler Assistenzsysteme.

Der Transformationsprozess in den Unternehmen muss jetzt rasch angeschoben werden, so auch der Tenor der Diskussion auf der acatech Senatsveranstaltung mit über 70 Top-Entscheidern zum Thema „Zukunft der Arbeit und Zukunft der Führung“ in München. Der Schlüssel für eine erfolgreiche digitale Transformation liegt danach in einer schnellen Weiterqualifizierung und einer Führungskultur, die auf flexible Zusammenarbeit, dezentrale Entscheidungen und Unternehmertum auf allen Ebenen setzt und den Beschäftigten Raum lässt, ihr kreatives und innovatives Potenzial zu entfalten.

acatech Projekte 2016 im Themenfeld Bildung und Fachkräfte

Abgeschlossene Projekte  
Das Labor in der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung Juli 2012 - Sep. 2016
Beirat für das Projekt APPsist – Intelligente Wissensdienste für die Smart Production Juni 2014 - Dez. 2016
Laufende Projekte  
MINT Nachwuchsbarometer Juli 2013 - Juni 2017
Workshop-Reihe: Industrie 4.0 – Zukunft der Industriearbeit Dez. 2014 - Juni 2017
Nationales Kompetenz-Monitoring (NKM) – Pilotphase Feb. 2016 - Dez. 2017
HR-Kreis – Forum für Personalvorstände zur Zukunft der Arbeit Mai 2014 - Dez. 2017
Innovationsindikator Juli 2015 - Dez. 2017
Studienabbruch in den Ingenieurwissenschaften Aug. 2015 - Dez 2017